Liebe Freunde, zugegeben, diese Überschrift führt Euch vermutlich auf eine völlig falsche Fährte. Sie ist nämlich überhaupt nicht despek-tierlich gemeint. Immerhin wird die Ente im Buddhismus als Sinnbild für die Unterdrückung des Bösen angesehen. Speziell die Mandarinente steht in China wegen ihrer ausgeprägt monogamen Lebensweise für eheliche Treue. Ich liebe Enten! (schmatz, schmatz …)
Der Papi hat mir – natürlich aus Daunenfedern – gerade ein Wälzlager eingerichtet, auf dem ich mich nach Herzenslust hin und her drehen kann. Und endlich bin ich da, wo ich hinwill: Heute breche ich nämlich eine Wanze für eine inzwischen berühmte fränkische Unternehmerlady. Von Bohlen hin und Halbach her: Bryan bittet Euch nun zum Schaeffler-Tanz!
Maria-Elisabeth Kurssa wurde am 17. August 1941 im schönen Prag geboren. 1945 flüchtete ihre Familie nach der Enteignung ins ziemlich zerbombte Wien. Dort begann Maria-Elisabeth im Jahr 1960 ein Medizinstudium. Doch sie brach ihr Studium im sechsten Semester ab: Ein 24 Jahre älterer Mann aus dem fränkischen Herzogenaurach war ihr über den Weg gelaufen! Eine eindrucksvolle Mauser begann. Sie brachte zwei Söhne zur Welt und es vergingen arbeitsreiche Jahrzehnte an der Seite einer angesehenen Unternehmerpersönlichkeit: 1946 hatte ihr späterer Ehemann Georg Schaeffler zusammen mit seinem Bruder Wilhelm die heutige INA Holding Schaeffler KG gegründet und 1949 mit der Erfindung des Nadelkäfigs die technische Entwicklung von Wälzlagern revolutioniert. (Bei Wälzlagern ist Käfighaltung ausdrücklich erwünscht.) Diese Wälzlager kommen unter anderem im Fahrrad-, Automobil- und Flugzeugbau sowie in Zahnarztbohrern zum Einsatz.
Nach dem Tod ihres 79-jährigen Mannes im August 1996 leitete Maria-Elisabeth Schaeffler die Firmengruppe zunächst eher im Verborgenen, zusammen mit ihrem Sohn Georg (ihr zweiter Sohn kam vor vielen Jahren bei einem tragischen Unfall ums Leben). Sie baute das Unternehmen stark aus – Umsatz, Investitionen und Beschäftigtenzahl stiegen jeweils um das Dreifache! „Die Schaefflerin“ galt als eine der einflussreichsten Frauen der deutschen Wirtschaft. Doch ob ihr Privatvermögen heute nun drei oder fünf Milliarden Euro beträgt, ist mir egal: Wichtig ist, dass die INA Holding Schaeffler KG als eines der 50 größten deutschen Unternehmen bei einem Umsatz von fast 9 Milliarden Euro derzeit weltweit 71.000 Mitarbeiter beschäftigt! Die kunst- und kulturbegeisterte Frau Schaeffler (ich sage nur: Wien!) erhielt im Lauf der Zeit zahlreiche in- und ausländische Orden, Ehrungen und Auszeichnungen. Damit könnten wirklich viele Teddybären ordentlich behängt werden!
Doch das Verhängnis nahm seinen Lauf: Alle ihre Verdienste um Wirtschaft, Umwelt, Kultur und Soziales gerieten völlig in den Hintergrund, als sich „die listige Witwe“ Mitte 2008 anschickte, den dreimal so großen Hannoveraner Traditionskonzern Continental zu übernehmen. Erst ein Wirtschaftskrimi, dann ein Wirtschaftsdrama; über die augenblickliche Situation schreibt ein Branchenkenner: „Frau Schaeffler steht auf einer Brücke: Vor ihr wütet ein Wirbelsturm, hinter ihr tobt ein Erdbeben.“
In einem großen SPIEGEL-Interview (Heft 13/2009) nahm Maria-Elisabeth Schaeffler kürzlich zusammen mit ihrem Sohn Georg F. W. Stellung. Euer Bryan hat dieses von Armin Mahler und Janko Tietz geführte Interview sorgfältig gelesen. Nun wünsche ich mir einfach, dass differenzierter als bisher über die angebliche Hasardeurin (also eine verantwortungslose Zockerin) berichtet wird. Und Alexis Carrington-Colby ist auch jemand ganz anderes! Danke, sagt (nicht nur) der Franke.